[RVK] Überarbeitung RVK Musikwissenschaft

Benedikt Hager benedikt.hager at univie.ac.at
Fr Nov 28 09:44:35 CET 2008


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit dieser Mail möchte die Universitätsbibliothek Wien (FB  
Musikwissenschaft) eine Revision der Klasse Musikwissenschaft in der  
RVK anregen.

Unsere Bibliothek ist noch kein Anwender der RVK. Wir stehen am Ende  
eines Evaluierungsprozesses für die Einführung einer Klassifikation,  
dessen Ergebnis eine überarbeitete RVK als geeignetste Lösung  
ausgewiesen hat. Für die positive RVK-Entscheidung ist eine solche  
Überarbeitung allerdings auch unabdingbar: Unsere Bestände bestehen zu  
einem Drittel (10.000-15.000 Titel) aus vergleichend-systematischer  
Literatur. Wie vielen Anwendern der RVK bekannt ist, ist gerade dieser  
Bereich seit Jahrzehnten praktisch unüberarbeitet und wird daher weder  
dem Literaturaufkommen der jüngeren Vergangenheit noch dem  
Forschungsstand gerecht: Popular- und Jazzmusikforschung sind als  
eigene Forschungszweige in der Systematik kaum wahrnehmbar und gehen  
in insgesamt nur 10 Klassen auf. Der Bereich Ethnomusikologie  
("Musikalische Volks- und Völkerkunde") ist darüber hinaus begrifflich  
("Schwarzafrika")  wie konzeptuell (etwa in Form einer Unterscheidung  
zwischen afrikanischer Musik und europäisch beeinflusster afrikanisch- 
europäischer Mischmusik) veraltet. Auch die Systematische  
Musikwissenschaft zerfällt in relativ unsystematisch  
aneinandergereihte Klassen am Ende des Sachteils. Die RVK  
Musikwissenschaft leidet also deutlich in puncto Aktualität und  
Fachgerechtigkeit.

Es hat sich herausgestellt, dass auch unter RVK-Anwendern und in  
Regensburg diese Desiderata klar wahrgenommen werden -- und dass die  
Gelegenheit, die RVK Musikwissenschaft zu überarbeiten, selten so  
günstig war wie jetzt.

Im musikwissenschaftlich-bibliothekarischen Bereich finden nämlich zu  
Zeit große Bewegungen statt:
Die musikwissenschaftlichen Bestände aus Erlangen und Bamberg werden  
nächstes Jahr nach Würzburg übersiedelt und nach RVK aufgestellt. Im  
Falle von Bamberg handelt es sich um einen Standort mit einer  
Professur für Ethnomusikologie, die ebenfalls nach Würzburg  
übersiedelt und demnächst neu besetzt werden wird. Ethnomusikologische  
Bestände sind also vorhanden und werden auch weiterhin wachsen.
Die musikwissenschaftlichen Neuzugänge der UB Innsbruck werden aber  
Januar nach RVK aufgestellt. Auch dort läuft gerade ein  
Bewerbungsverfahren für eine Professur mit Schwerpunkt musikalische  
Ikonographie und Popularmusik. Einschlägige Zuwächse sind also auch in  
Innsbruck zu erwarten.
Die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern stellt seit knapp zwei  
Jahren ihre Bestände auf RVK um. Dort wird die RVK im Bereich Jazz und  
Popmusik als nicht mehr ausreichend wahrgenommen, was schon vor  
einigen Monaten zum Vorschlag einer Überarbeitung geführt hat.
Die FU Berlin ist ebenfalls an einer Überarbeitung interessiert:  
Nachdem die Bibliotheken Musikwissenschaft, Vergleichende  
Musikwissenschaft und Theaterwissenschaft zusammengefasst wurden,  
werden dort Neuerwerbungen in RVK systematisiert. Ob Altbestände  
ebenfalls in die allgemeine RVK-Strategie der FU mit einbezogen  
werden, ist noch nicht klar. Falls ja, sind weitere 50.000 Titel mit  
Schwerpunkt vergleichend-systematische Musikwissenschaft nach RVK zu  
klassifizieren.
Und schließlich unsere FB Musikwissenschaft in Wien, die aufgrund des  
breiten Spektrums des Angebots (2 ordentliche Lehrstühle für  
Musikgeschichte, je einer für Ethnomusikologie und Systemtatische  
Musikwissenschaft) ebenfalls auf eine überarbeitete RVK  
Musikwissenschaft angewiesen ist.

In den nächsten Jahren ist also in mehreren Bibliotheken mit  
deutlichen Zuwächsen in Bereichen der RVK zu rechnen, die bisher wenig  
benötigt wurden. All diese Bibliotheken sind damit auf eine  
Überarbeitung der RVK Musikwissenschaft angewiesen, wenn sie ihre  
Bestände fachgerecht, effizient und nicht zuletzt nutzerfreundlich  
klassifizieren wollen (je nach Entscheidung in Wien und in Berlin kann  
man die Zahlen zwischen 50.000 und 200.000 neu zu klassifizierenden  
Titeln eingrenzen).

Daher wollen wir mit dieser Mail eine möglichst zügige, kooperative  
Überarbeitung der RVK anregen. Naoka Werr und Christopher Dagleish aus  
Regensburg haben bereits ihre volle Unterstützung in der Sache  
zugesagt. Die jahrzehntelangen Erfahrungen einzelner RVK-Anwernder  
sind dabei natürlich von besonderem Wert und in diesem Sinne laden wir  
Sie herzlich zu einem Meinungs- und Erfahrungsaustausch ein.

Uns ist bewusst, dass eine größere Überarbeitung Zeit und Energie  
kostet; da man sie aber auf Dauer ohnehin nicht vermeiden wird können,  
wenn man die Konkurrenzfähigkeit der Systematik erhalten will,  
erscheint es ökonomisch, sie angesichts der anstehenden Veränderungen  
gerade jetzt anzugehen. Lohn wäre die Erfüllung eines in der  
bibliothekarisch-musikwissenschaftlichen Landschaft weit verbreiteten  
Bedürfnisses, nämlich dem nach einer aktuellen, deutschsprachigen,  
verbundfähigen Fachsystematik. In diesem Sinn würde es uns freuen, von  
Ihnen zu hören!

Vielen Dank und herzliche Grüße aus Wien,
Benedikt Hager

-- 
Mag. Benedikt Hager
FB Musikwissenschaft
Spitalgasse 2, Hof 9
1090 Wien
T: +43-1-4277-167 80

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